• Andreas Fritsch

Best State für Videokonferenzen


Ein Gastbeitrag von Sissy Handler, Vocal Coach. Sissy Handler ist Profi-Sängerin und Vocal Coach. Seit vielen Jahren unterrichtet Sie Menschen in Gesang und dabei, die eigene Stimme gut und wirkungsvoll einzusetzen. Gerade in Meetings ist unsere Stimme immer auch unsere Visitenkarte. Noch wichtiger werden Einsatz und Pflege der Stimme aber besonders in Zeiten, wenn eine Videokonferenz die nächste jagt. Und in Online-Meetings können wir weder mit unserer Mimik, Gestik noch unserer Körpersprache überzeugend punkten. Eine gut eingesetzte Stimme wird dabei immer mehr zum Wettbewerbsvorteil.


Sissy Handler zeigt uns aus ihrer jahrelangen Profi-Praxis, mit welchen Tricks und Übungen wir unserem Instrument Stimme die richtige Wirkung geben können. Die Stimme ist unser Werkzeug, unser Instrument. Sie will richtig behandelt und gut gepflegt werden. Um die Stimme gut zur Geltung zu bringen, ist bei Übertragungen - wie z.B. in Videokonferenzen - das richtige Equipment wichtig. Nichts ist in einer ohnehin schon anstrengenden Videokonferenz energieraubender als eine schlechte Übertragung der Stimme.

Die Basics: das technische Equipment:

Computer, Laptop, iPad, Handy,…


  • Alles sollte ausreichend geladen sein oder Lademöglichkeit / Akku griffbereit.

  • Testen Sie alles und wählen Sie den Hintergrund, den Sie ihrem Gegenüber von Ihrem Heim auch zeigen wollen. ;-)

  • Testen Sie den Bildausschnitt den man dann von Ihnen sieht und kippen Sie den Bildschirm dann so, dass Sie sich auch gefallen.

  • Achten Sie darauf, ob genug Licht vorhanden ist, ob Sie eine Lampe zusätzlich brauchen und ob Sie die Position (bei Gegenlicht) ändern müssen.

Kopfhörer


  • Sind oft notwendig, wenn an einer Konferenz mehrere Teilnehmer beteiligt sind, damit es keine unangenehmen Geräusche wie Rückkoppelungen etc. gibt.


  • Wer hat, auch gern unterschiedliche Modelle ausprobieren, um raus zu finden, womit Sie sich am wohlsten fühlen. Mit geschlossenen Studio- bzw. Audio- Kopfhörern hören Sie zwar alles in bester Qualität, aber Sie hören sich selbst kaum beim Sprechen. Das kann dazu verleiten, dass Sie zu viel Druck auf die Stimme ausüben, weil Sie glauben, dass Ihr Gegenüber Sie genauso schlecht hört, wie Sie sich selbst. Das kann zu Ermüdung oder gar Heiserkeit führen.

Alles hängt zusammen. Für eine gute Stimme brauchen wir gute „Stimmung“. Tonalität, Tragfähigkeit und Lautstärke der Stimme sind äußere Zeichen eines inneren Zustandes. Daher müssen wir - nicht nur in herausfordernden Zeiten wie heute - auf unser Stresslevel achten.

Selbstfürsorge:

Wie geht es mir und meinem Körper?


  • Bin ich flattrig, kurzatmig, aufgeregt? Bin ich ruhig, gelassen, geerdet?

  • Bin ich bei mir? Bin ich nur im Außen?

  • Habe ich gut/gesund getrunken und gegessen?

  • Hatte ich genug frische Luft, Sonne, Natur?

  • Spüre ich meinen Körper? Sollte ich Bewegung machen oder mehr ruhen?

  • Wie sehe ich aus (Video)?

  • Wie klinge ich (Teile des Klangspektrums werden durch die Audioübertragung verloren gehen)?

Tipp:

Oft genügt es schon, zwischendurch aktiv kleine Pausen zu machen, in denen man aufsteht, sich streckt, bei geöffnetem Fenster oder im Freien tief atmet, den Brustkorb weitet und ein bisschen dehnt, abklopft und sich spürt.

Wasser, Wasser, Wasser trinken! Für den ganzen Körper und besonders für die Stimme. Der Organismus braucht viel mehr davon, als wir glauben, und die Stimme bekommt erst dann genug, wenn alle Organe versorgt sind. Ausserdem leitet Wasser Giftstoffe aus. Haben Sie immer ein volles Glas Wasser und eine Karaffe oder Flasche auf Ihrem Arbeitsplatz stehen!


Stimmpflege und Stimmhygiene:

Stimmen und Körper sind unterschiedlich empfindlich oder robust. So haben auch Ernährungsgewohnheiten und Sprechgewohnheiten unterschiedlichen Einfluss auf unsere Stimmen.

Für jeden gut:

Wasser und feuchte Luft!

Trinken Sie viel mehr Wasser als Sie gewohnt sind (bis der Urin farblos wird). Evtl. mit ein wenig Saft oder besser frischer Zitrone gemischt. Wenn Sie einen Luftbefeuchter haben oder einen Steamer, nutzen Sie ihn.


Für fast jeden schlecht:

  • Milchprodukte, Weizen, Zucker sowie Eis, Schokolade und Süßigkeiten. Diese Nahrungsmittel verschleimen und übersäuern. Sie können auch Reflux auslösen.

  • Alkohol trocknet die Stimme aus und kann auch Reflux auslösen.

  • Nüsse und Mandeln tun vielen Menschen gut, anderen wieder nicht. Meistens sind sie vor langem Sprechen aber ungünstig, weil kleine Stückchen oder Splitter im Rachen oder Mundraum stecken bleiben können und man sich dann räuspern oder husten muss.

Bei Halsweh oder Heiserkeit empfehle ich:


Natürlich: Salbei und Honig. Als Tee schmeckt es am Besten. Es gibt natürlich auch Pastillen, Globuli, Säfte und man kann am Salbeiblatt selbst kauen.


Aus der Apotheke: ISLA MED, Gelo Revoice und Tantum Verde Halsspray!

(Hier empfehle ich bei Entzündungen den normalen hellgrünen. Der dunkelgrüne Tantum Verde Forte Spray überreizt viele.) Natürlich gibt es noch Emser Pastillen und Ähnliches, aber die haben für mich und die meisten meiner Kollegen weniger gebracht und schmecken auch nicht so gut.

Atem- und Stimmübungen:

Zuerst frei atmen und einfach seufzen, wobei der Brustkorb nicht ruckartig einsinken darf (zu viel Druck für die Stimmlippen (= Stimmbänder)). Wenn Sie mit dem Atem nicht in die Tiefe kommen und einen Widerstand spüren, wie etwa Beklemmungen oder flattrige Hochatmung, dann machen Sie zuerst alles leer. Das Zwerchfell muss wieder loslassen lernen und sich absenken, bevor die Luft wieder rein kann.

Wie geht das?


Beschließen Sie bewußt, los zu lassen und atmen Sie alle Luft aus, auf sssssssssss oder schschschschsch. Bis Sie wirklich merken, dass der Bauch und Brustkorb nach innen gehen und ganz leer geworden sind. Dann lassen Sie das Unterkiefer fallen, formen Ihre Lippen zu U oder O, lassen Bauch, Flanken und Gesäß los und saugen die frische Luft ganz nach unten in Ihren Körper ein. Wiederholen Sie das, bis es ganz leicht wird. Falls Ihnen schwindlig wird, setzen Sie sich kurz hin. Das ist nur ein Zeichen dafür, dass Sie für gewöhnlich viel zu wenig und zu flach atmen. Ihr Körper wird jubeln, wenn Sie ihn künftig besser versorgen!! :-)


Tipp:


Stellen Sie zwischendurch (zufällig - außerhalb Ihrer Termine) den Wecker und dann machen Sie dieses kurze Entspannungs- und Reaktivierungsprogramm:


Aufstehen, Strecken, Brustkorb weiten oder dehnen, abklopfen und dann tief atmen und seufzen. Idealerweise mit der Idee, dass jetzt gerade NICHTS zu tun ist und Sie etwas Gutes für sich tun.

Erleichterung und Loslassen! Wie oben beschrieben.

Danach aktiv atmen und evtl. sanfte Stimmübungen machen.

Einfache Stimmübungen:


Huuuuuuh… Haaaaaah… wo die Luft sanft durchströmen kann und der Brustkorb weit bleibt. Schultern zurück. Die brauchen nichts zu halten.

Dann gehen Sie spielerisch von einer gemütlichen Sprechlage ein bisschen höher und schleifen Ihr Huuuuuh und Haaaah entspannt nach oben. (wie Dori aus Nemo)

Dann machen Sie das mit Schuuuuuh und Schaaaaah so stimmhaft wie möglich.

Dann mit Vuuuuuuh und Vooooooh und Vaaaaah. Dann mit einem stimmhaften S und probieren sie dann verschiedene Vokale aus.


Dann sprechen Sie Wörter und Sätze mit dem selben Flow Gefühl.

Die Phonation wird durch die Artikulation nicht gestört und fließt auf der Luft weiter.

Achten Sie (ideal vor dem Spiegel) darauf, ob Sie beim Sprechen den Mund öffnen, den Kiefer locker haben und die Zähne auseinander kriegen. All das ist weniger selbstverständlich als es klingt. ;-) Sie werden sehen!


Die Zunge sollte für alle Vokale vorn bleiben. Das könne Sie leicht checken, indem die Zungenspitze für alle Vokale an den unteren Schneidezähnen anliegt. Probieren Sie es mal: a e i o u + ü ö Wenn das klappt, klingen Sie viel präsenter und Ihre Stimme KLINGT!


Wenn Sie merken, daß Ihr Hals immer wieder zugeht und Sie zu viel Druck auf die Stimme ausüben, dann ist es wichtig, zwischendurch zu Gähnen und sich dieses weite Gefühl im Hals zu merken. Das sollte man dann mit Huuuuh und Haaaaaah probieren und von dort aus weiter zu den nächsten luftigen Vokalen.


Wenn Sie eher unterspannt sind und eher nach innen grummeln und keine durchsetzungskräftige Stimme haben, dann beginnen Sie mit einem:

Mmmmmmh… als würde es nach Ihrem Lieblingsgericht duften!

Dann gehen Sie weiter zu einem Miiiiiiiiih, Müüüüüh, Nüüüüüh und Näääääh.

Haben Sie immer ein (echtes) Ziel! Einen Punkt an der Wand, einen Fenstergriff oder später die Kamera Ihres Gerätes. Dort sprechen, tönen, singen sie hin.


Finden Sie heraus, was Ihre Gewohnheiten sind. Erst dann können Sie sie ändern.

Wir „stimmen uns ein“. Es gibt mehr Möglichkeiten, als wie denken, unsere Stimme positiv zu beeinflussen.


Während der Videokonferenz:

Starten Sie mit einem Lächeln! Das tut Ihnen und allen anderen gut.


Sprechen Sie langsam und deutlich und unterstützen Sie ihre Worte mit Mimik und Gestik der Hände.


Denken Sie daran, dass Ihr Gegenüber möglicherweise (auch?) in einer Ausnahmesituation ist und finden Sie heraus, ob Sie etwas dazu beitragen können, dass er/sie sich wohler fühlt.


Sprechen Sie in klaren, einfachen Sätzen und wiederholen Sie die wichtigsten Punkte zusammengefasst. Atmen Sie ruhig und bewahren Sie Gelassenheit und Haltung.


Filtern Sie, was wirklich wichtige Information ist, und wo es sich nur um Nebeninformationen handelt. Betonen Sie auch dementsprechend!

Machen Sie Pausen!

Gönnen Sie Ihrem Gegenüber und auch sich selbst Pausen. Um durch zu atmen, sich zu entspannen, zu reflektieren und Informationen sickern zu lassen.


Durch Dynamik (leise bis laut) und Modulation (tief bis hoch) in der Stimme wird Ihr Gegenüber Ihnen besser und länger folgen können, als bei einem monotonen Redeschwall. Halten Sie ihre „Geschichte“ spannend - genauso wie man Kindern ein Märchen erzählt. Wenn Sie „so dahin erzählen“ oder lesen, werden Sie bemerken, dass Sie die Aufmerksamkeit verlieren.


Wenn Sie können, lächeln Sie zwischendurch und geben Ihrem Gegenüber das Gefühl, dass Sie das gemeinsam schon regeln / schaffen werden.

Seien Sie freundlich! Das hat immer noch mehr bewirkt als Strenge, Ermahnungen, Drohungen, etc.

Nach der Videokonferenz:


Wenn Sie es (mit)bestimmen können, machen Sie nach der / zwischen den Videokonferenzen kleine Erholungspausen vom Denken, Sprechen, Zuhören und höchster Konzentration. Sonst könnte diese Extrabelastung zu Kopfschmerzen, Stimmproblemen oder Ähnlichem führen. Ggfs. wieder durchatmen und das Entspannungsprogramm von oben.


Viel Spass mit den Tipps und gutes Gelingen!


Sissy Handler bietet für die Leser unseres Blogs zweistündige Live-Online-Trainings an zum Thema


  • Stimmbildung für Videokonferenzen

  • Die Wirkung der Stimme, die Macht der Stimme

  • Der richtige Einsatz

  • Stimmtraining für Online- wie Offline-Erfolg

  • Unsere Stimme als Persönlichkeitsmerkmal


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